Was sucht der Mensch?!

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Was sucht der Mensch

Vier Wände, ein spärliches Mobiliar und die Einsamkeit.

Als ich Murat am schwarzen Meer traf habe ich mich zuerst gefragt, was braucht der Mensch?

Murat hat viel Geld. Darauf lässt sich erst nicht schließen, wenn er mit einem Lächeln die Tür aufmacht. Wir betreten sein kleines Haus und sind in seinem Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche zugleich. Safoura fragt wo denn die Toilette ist. Er zeigt mit dem Finger nach draußen und ich bin mir sicher, er meint die Bucht. Zum kochen benutzt er einen kleinen Gaskocher und zum duschen einen Eimer und ein Becken. Der Reichtum liegt vor seinem Haus. Das Meer. Das Rauschen der Wellen ist sein Silber und der Sonnenuntergang sein Gold.

Das Haus hat er vor fünf Jahren gebaut. Es besteht aus vier Spanplatten. Ein einziger Raum für alles. Er ist der Stadt und der Hektik entflohen. Alles was er braucht, ist in seinem Haus. Es ist nicht viel aber das muss es auch nicht. In seinem Garten hat er ein bisschen Gemüse angebaut und gegenüber wachsen wilde Trauben. Dass ist es was er braucht, die Natur. Sie versorgt ihn nicht nur mit Nahrung sondern auch mit positiver Energie. Murat ist total entspannt und glücklich. Somit habe ich beschlossen mir eine neue Frage zu stellen. Eine ganz grundlegende Frage.

Was sucht der Mensch?

Der Mensch war schon immer auf der Reise. Sobald er einen Weg betritt möchte er ankommen. Wir suchen uns unser Ziel aus. Doch alle Ziele haben eines gemeinsam. Sie sollen uns glücklich machen. So auch die ersten Menschen, die nach Europa und Asien gezogen sind. Sie suchten nach einem besseren Leben. Dies hat sich über die Jahrtausende nicht verändert. Heute, in der Moderne, hat sich nur die Art des Reisens verändert. Wir reisen nicht mehr durch den Raum, wir reisen durch uns selbst. Eine Arbeit soll uns glücklich machen. Ein neues Haus verschafft uns Sicherheit und Glück. So ist mir klar geworden was der Mensch sucht. Das Glück.

Murat hat seinen Platz gefunden um glücklich zu sein und hat alles andere dass ihn unglücklich macht, hinter sich gelassen. Murat beschenkt uns. Er holt sein Gold raus. Wir sitzen an der Brandung und bewundern den Sonnenuntergang. Es ist so friedvoll. Es macht ihn ebenfalls glücklich. Er lädt regelmäßig Reisende zu sich ein. Um sein Haus herum, schreiben die Reisenden, Grußbotschaften aus dem jeweiligen Herkunftsland. Mit unseren Botschaften kommen nun deutsche und persische Texte hinzu. Sein Haus ist mehrfach gesegnet und strahlt eine unglaubliche Aura aus. Es ist mir eine Ehre, meine Grußbotschaft hier zu hinterlassen. Murat lehrt den Menschen minimalistisch zu leben. Er hat nur das Nötigste und es reicht ihm völlig aus. Sein Essen teilt er großzügig mit seinen Gästen und gibt was er hat. Murat ist ein gutes Beispiel für die Menschen. In einer Zeit der der Drang nach Geld und Reichtum immer stärker wird. Er möchte niemandem etwas lehren. Für ihn ist es selbstverständlich auf diese Art und Weise zu leben. Es ist nicht nötig auf alles zu verzichten. Der Minimalismus soll keine Schranke sein die das eigene Glück aussperrt. Er sperrt Dinge aus die uns am Glück hindern. Der Minimalismus als Wegweiser, auf der Suche nach dem Glück. Wir verabschieden uns von Murat. Er ist ein toller Gastgeber und verabschiedet uns mit der Eigenschaft die ,die Türkei ausmacht. Gastfreundschaft. Wir wenden uns dem Osten zu und machen uns auf den Weg nach Georgien.

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