Mahlunas Vergangenheit

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Erstes Kapitel

Wenn man den Willen zum Leben hat, kann man aus jedem Ort ein Paradies machen.

Erinnerungen sind Sehnsüchte der Seele, zur Flucht aus der Realität. Wie in einem Traum, werde ich in ein Meer aus Erinnerungen zurück geschleudert. Gegen meinen Willen sitze ich hier fest und nichts und niemand kann mich befreien. Entgegen meiner Erfahrung, ist der freie Wille wohl doch eine Illusion. Eine Schutzfunktion des Verstandes, um sich nicht bewusst zu machen dass wir gesteuert werden. Willenloses Fleisch dass dem Universum ausgeliefert ist. Eine Marionette des Schicksals. Ich will nicht und doch werden mir diese Bilder gezeigt und noch bevor ich über Flucht nachdenken kann, bin ich mittendrin.

Ich beginne mich daran zu erinnern. Megara ist eine wunderschöne Stadt an der Südküste Griechenlands. Sie liegt wenige Kilometer entfernt von Athen und ist eine der ältesten Städte in Griechenland. Ich habe nur noch schwache Erinnerungen an diese Stadt, doch für mich ist es jedes Mal das Gefühl nach Hause zurückzukehren. Ich erinnere mich an die Familie Fengori in Megara. Der Mann, Agamemnon, ein stämmiger Mann mit markantem Kinn, Brille und braunem, lockigen Haar. Er ist, der Liebe wegen, aus Thessaloniki nach Megara gezogen. Seine Frau Klytai, eine fahle, schlanke Frau mit schwarzen langen Haaren, besaß einen Hof als Hinterlassenschaft ihrer Eltern, außerhalb von Megara. Agamemnon arbeitete als Fleischer im Schlachthof und nach seinem Umzug eröffneten sie zusammen im Hof, einen kleinen Schlachtbetrieb. Dort kümmerte Agamemnon sich um den Hof, während Klytai die Produkte in einem eigenen Geschäft in der Stadt verkaufte. Als ein Jahr später ihr Sohn Hyperion zur Welt kam, war alles perfekt. Ich sah sie stetig lachen und spielen. Ein Lachen dass ansteckt und die Familie zusammen hielt. Ich weiß nicht wie sich so etwas anfühlt, doch ich meine behaupten zu können, es entstand eine kleine, glückliche Familie. Ich stehe auf der leeren Straße und blicke auf das, von einer Mauer, umgebene Haus. Mein Blick geht nach oben, bis zum dritten Stock. Die weißen Außenmauern reflektieren das Mondlicht, in dieser klaren Nacht. Hyperion ist drei Jahre alt, als in dieser Nacht ein neues Licht die Welt erblickt. Zur Stunde Null hörte ich Klytai, wie sie kämpfte und schrie. Die Anstrengung der Wehen waren zu hören und wenn ich mich recht erinnere, verging eine Stunde bis ich die nächsten Schreie vernahm. Für mich erschien diese Nacht zauberhaft. Natürlich stürmte ich sofort in das Haus und sah, was ich als erstes in meinem Leben erblickte. Ein Lächeln dass für das kleine Wesen in Klytais Armen bestimmt war. Sie schmiegte das Baby an sich, lächelte und flüsterte dem Baby den Namen, Mahluna, zu. Durch einen Stromausfall war es komplett dunkel und nur das Mondlicht und ein paar Kerzen erhellten den Raum. Die Hebamme winkte Agamemnon herbei und mit dem kleinen Hyperion an der Hand, kam er auf sie zu um Klytai und die frisch geborene Mahluna zu umarmen.

Als ich die komplette Familie sah, fühlte ich Geborgenheit und endloses Glück. Ich war nicht alleine, sondern umgeben von lieben Menschen. Ich sah Mahluna und Hyperion behütet aufwachsen. Ich erlebte die ersten Schritte der kleinen Mahluna und die Einschulung von Hyperion. Es sind beruhigende Bilder die ich zu sehen bekomme und ich bin froh dass sie nun Teil meiner Erinnerung sind.

Sechs Jahre zogen wie sechs Minuten an mir vorbei und gaben mir gute Eindrücke einer Kindheit, wie sie mir nicht bewusst war. Die Schattenseiten dieser scheinbaren Idylle, blieben den Kindern verborgen, doch wurden mir in voller Härte gezeigt. Dass ich mich unwohl fühle schien niemanden zu stören. Agamemnon und Klytai stritten sehr häufig. Finanzielle Probleme sind der Ausgangspunkt vieler Streitigkeiten gewesen. Ich erinnere mich an eine Szene im Wohnzimmer. Die Kindern sind zu Bett gebracht worden. Direkt nachdem die Tür zum Wohnzimmer schloss, fing Klytai damit an, sich über Agamemnons Umgang mit Geld zu beschweren, der natürlich nichts auf sich sitzen ließ. Ich versuchte mich sichtbar zu machen, doch ich war wohl nichts weiter als ein Schatten und erschrak als Agamemnon seine Frau schlug. Ich möchte glauben dass es ein Ausrutscher war, doch das Gegenteil war der Fall. Klytai sprach davon dass Agamemnon sie anekeln würde und ob es nun ein refelxartiger Akt war oder angerissener Stolz, kann ich nicht sagen, aber seine Hand traf sie mit seiner ganzen Wucht im Gesicht. Sekunden wurden zu Minuten und voller Scham verließ er das Haus, während seine Frau weinend auf dem Boden saß. Die Wucht des Schlages wirkte noch mehrere Minuten und machte es ihr unmöglich vom Boden aufzustehen. Wie gern hätte ich sie in den Arm genommen, um ihr bei zu stehen. Doch ich konnte nicht. Die Familie wird zum Schauspiel und das Theaterstück ging am nächsten Tag, beim Frühstück, weiter. Aus Furcht vor dem was passieren könnte, verkroch ich mich in der Küchenecke und sah der ganzen Szenerie zu. Entgegen meinen Erwartungen passierte nichts und doch so viel.

Klytai bereitete das Frühstück zu, während Agamemnon sich um die Kinder kümmerte. Wer glaubt dass die beiden sich keines Blickes gewürdigt haben, liegt falsch. Sie warfen sich massenhaft verliebte Blicke zu und krönten das Frühstück, mit einem Kuss vor den Augen der Kinder. Die heile Welt wurde zum Wohle der Kinder aufrechterhalten. Eine Szenerie die mir Angst machte. Ich kann mir gut vorstellen, wie qualvoll dies für Klytai gewesen sein muss und es erklärt mir im Nachhinein einiges. Denn die Streitereien gingen weiter und ein Abend, voller Ausbrüche, folgte dem Nächsten. Klytai bekam regelmäßig Weinkrämpfe, nicht nur Abends, nachdem Agamemnon sie zutiefst verletzte, sondern auch nach jedem Theaterstück dass den Kindern aufgeführt wurde, welches sie mental zusetzte. Ich saß auf der Couch, wenn sie jegliche Gewalt über sich selbst verlor und nur noch weinte, um allen Schmerz raus zu lassen. Es war mir nicht möglich ihr Trost zu spenden und es macht mich immer noch fertig. Der Ekel, den sie gegen Agamemnon verspürte, lässt sich anhand einer Situation beschreiben.

Klytai hatte nie Probleme damit Fleisch zu essen. Von Haus aus, wurde sie damit aufgezogen und der familiäre Betrieb, bestärkte ihren Fleischkonsum. Bis eines Sonntags ein Schwein versehentlich geliefert wurde dass für den darauffolgenden Montag bestimmt war. Agamemnon beschloss es, entgegen seinen Gewohnheiten, an seinem freien Sonntag zu schlachten.

Das Schwein wartete auf seine Betäubung im Schlachthaus auf dem Hof. Ich stand an dem Käfig mit dem Schwein, als dessen letzte Stunde geschlagen hatte. Ich berührte es und fing an es zu streicheln. Ich bin mir sicher dass es mich wahr genommen hat, denn es sah mir direkt in die Augen und flehte um sein Leben. Ich weiß nicht warum sie ihn bis hierhin folgte, aber Agamemnon kam in Begleitung von Klytai. Beide waren mit einer weißen Schürze bekleidet.

Während Klytai sich direkt weit abseits des Schweines stellte, bewaffnete sich Agamemnon mit einem Stab, der sich als Elektroschocker herausstellte. Mit einem kurzen elektrischen Schlag, fiel das Schwein bewusstlos zu Boden. War es wirklich bewusstlos? Das ständige Aufzucken der Hinterbeine ließ mich zweifeln und auch Klytai stellte ihm die selbe Frage und er erklärte ihr dass es die Stromschläge seien, die durch den Körper fließen. Ich sah in ihrem Gesicht dass die Antwort uns beide nicht zufrieden stellte. Agamemnon zog das Schwein aus dem Käfig heraus und schleifte es einige Meter weiter, bis zu einem Seilzug. Dort befestigte er den Knöchel des linken Hinterbeines vom Schwein und per Knopfdruck wurde es hoch gezogen und hing nun in der Luft. Agamemnon stellte einen Eimer unter das Schwein und ich sah wie das rechte Bein noch zuckte und ich verlor den Kampf gegen meine Tränen. Ich blickte zu Klytai und sah wie sie den selben Kampf austrug. Als Agamemnon zum Messer griff, wollte sie ihn noch stoppen und schrie. Aber er ließ sich nicht davon abbringen und fuhr kaltherzig mit seinem Vorhaben fort. Ich kniete zum Boden nieder und vergrub meinen Kopf in meinen Armen, da ich diesen Mord nicht mit ansehen wollte. Meine instinktive Neugier ließ mich erst zu Klytai blicken, ihr Gesicht zerfloss in Tränen, dann drehte ich meinen Kopf in Richtung des Schweines und sah, wie Agamemnon die Halsschlagader mit dem Messer durchschnitt. Ich biss mir fast auf die Zunge und der Anblick wie das Blut in den Eimer floß, ließ Klytai einmal aufwürgen und sie flüchtete nach draußen. Ich weinte und weinte und sah wie mit den Bewegungen des Schweines, alle Lebensgeister verschwanden. Das Schwein war tot und sein Mörder stand daneben und ich sah wie er, regungslos und emotionslos, seine Arbeit begutachtete.

Klytai veränderte sich radikal und war nicht mehr in der Lage im kleinen Fleischgeschäft weiter zu arbeiten. Es musste Verkaufspersonal eingestellt werden und damit fingen die schwerwiegenden, finanziellen Probleme an. Auch Klytais Ansicht und Gefühle ihrem Ehemann gegenüber veränderten sich, er wurde zum Ekel.

Was kann ein Mensch alles ertragen? Wo ist das Limit? Ich meine, das Universum stellt uns jedes Mal vor Prüfungen. Aus diesen Prüfungen sollen wir gestärkt hervor gehen, um die nächste Prüfung zu bestehen, als Wegweiser zu unserer Bestimmung. Wenn ich meine Augen schließe und tief in mich hinein horche, dann kann ich sie hören. Die Stimme des Universums flüstert mir zu und gibt mir Rat. Die Stimme spricht mir Mut zu und lässt Hoffnung in mir keimen. Ich bestehe jede Hürde im Leben, da ich sie als Prüfung wahr nehme und nicht als, Lebens zerschmettendes Ereignis. Doch was ist mit den Menschen die die Stimme des Universums nicht hören, obwohl sie ununterbrochen zu uns spricht. Diese Menschen fühlen sich verloren und allein gelassen. Sie fühlen sich als Verlierer, die den Erwartungen des Lebens nicht entsprechen aber eines außer Acht lassen, jedes lebende Wesen ist ein Gewinner. Warum wird jede Prüfung zu einer Katastrophe für eben jene Menschen und jeder Tag eine Strafe?

Wobei doch jeder Tag, an dem die Luft durch unsere Lungen geht, ein Gewinn ist. Mit jeder Sonne die unter geht, verstreicht ein gewonnener Tag und mit jedem Sonnenaufgang gewinnen wir eine neue Chance, um unser Leben zu genießen.

Schlimme Geschehnisse werfen meistens ihren Schatten voraus und für Klytai kam eine Prüfung nach der anderen.

Zweites Kapitel

Die Liebe höret nimmer auf

Der tägliche Streit mit Agamemnon schwächte sie und sie wandte sich immer mehr von ihm ab und der negative Einfluss wurde zum Alltag. Die meiste Zeit verbrachte sie mit ihren Kindern und überschüttete sie mit Liebe. Die nächsten Monate vergingen wie im Sekundentakt und ein Meer aus Bildern zog an mir vorbei. Ich sah die Familie und ich sah wie Klytai stetig lacht und die Kinder gedeihen und mit viel Liebe heranwachsen. Nichts lässt auf ein gestörtes Familienleben schließen. Auch Agamemnon legte sich ins Zeug und verbrachte viel Zeit mit seinen Kindern. Es brachen goldene Jahre für Hyperion und Mahluna an, ohne zu wissen was sich im Hintergrund abspielte. Doch ich sah die Kinder voller vergnügen aufwachsen und bin dankbar für jede Minute die ich beiwohnen durfte. Als es zu dem Vorfall kam, war die kleine Mahluna sechs Jahre alt und Hyperion neun Jahre alt. Er ging seit zwei Jahren zur Schule und Klytai liebte es, mit ihm den Schulweg zu laufen. Wie so oft saß ich am Straßenrand, den Blick auf das Haus der Familie gerichtet. Klytai fühlte sich nicht wohl und Agamemnon brachte Hyperion zur Schule, während seine Frau sich um Mahluna kümmerte. Doch an dem Tag bekamen sie eine unerwartete Tierlieferung, die Agamemnon in Anspruch nahm. Klytai schaute immer wieder aus dem Fenster, um zu sehen wann Hyperion endlich wieder kommt, doch er kam nicht wieder. Schließlich ging sie raus und blickte die Straße rauf und wartete. Auch meine Augen wandten sich nicht vom Horizont ab, wusste ich doch ganz genau was geschah. Das Warten wurde unerträglich und ich sah wie Agamemnon nun mit dem Auto davon fuhr. Er kam nach einer Stunde wieder und nachdem sie miteinander gesprochen hatten, fiel Klytai ihm weinend um die Arme. Obwohl ich wusste dass es ein unveränderliches Ereignis war, faltete ich meine Hände zusammen und betete. Der Abend brach an und noch immer fand sich keine Spur von ihm. Noch immer saß Klytai auf der Straße als Agamemnon, den Tränen nah, von seiner Suche mit leeren Händen wieder kam. Ich sah wie die Polizei vor gefahren kam und die Straße füllte sich mit ein paar Leuten aus der Nachbarschaft. Hyperion war verschwunden und tauchte auch die nächsten Tage nicht mehr auf. Die Polizei durchsuchte das gesamte Gebiet, doch sie wurden nicht fündig. Trauer machte sich breit und erreichte auch mein Herz. Ich wusste wie die Sache ausging und so ließ ich keine Hoffnung aufkommen. Hoffnung ist ein rares Gefühl diese Tage gewesen und so wurden aus den hoffnungslosen Tagen, Wochen und das Polizeigebot nahm ab. Klytai und Agamemnon waren am Boden zerstört und Trauer legte sich über den Schlachthof.

Der Betrieb wurde für ein paar Tage eingestellt, da Agamemnon nicht bereit war sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Klytai verkroch sich tief in ihre Seele und ich sah sie immer am Fenster sitzen, den Blick auf die Straße gerichtet. Egoistische Gefühle bemächtigten sich ihrem Körper. Ihre Gedanken öffneten sich mir und der Traum offenbarte ihre Sehnsüchte und ihre Träume und er zeigte mir wie sie sich immer wieder einer Klippe näherte und stillschweigend herunter sprang. Dieser Gedanke wiederholte sich mehrere Male am Tag, in der Woche.

Die kleine Mahluna fragte nach ihrem Bruder, vermisste ihn und wurde immer stiller. Auf ihre Fragen antwortete Agamemnon stets mit Ausreden und bekräftigte jedesmal dass Hyperion verreist ist. Er bewältigte seine Trauer im stillen für sich. Während mir Klytais ganzer Schmerz gezeigt wurde und ich dazu gezwungen war diesen Schmerz mit ihr zu teilen, so blieb Agamemnon für mich verschlossen. Ich drang zu ihm nicht durch und dies kam mir verdächtig vor. Die Streitereien über die finanziellen Engpässe verschwanden und wichen schlussendlich der Trauer. Mit dem Abzug der Polizei wurde der Familie ein staatlicher Seelensorger zugeteilt, Werner Schliemann, ein Psychologe aus Deutschland. Er kam täglich um Therapiegespräche mit der Familie zu führen. Dabei sprach er mit den Familienmitgliedern einzeln und auch zusammen an einem Tisch. Er unterhielt sich auch viele Stunden mit Mahluna und verschwieg ihr auch, auf Agamemnons Wunsch, die Wahrheit über Hyperions Verschwinden. Schliemann kam über Wochen, jeden Tag zur Familie, so ist es nicht verwunderlich dass er über die Zeit eine Freundschaft zu ihnen aufbaute. Zu Klytai drang er allerdings nicht durch. Sie schottete sich immer weiter ab, wurde vergesslich und auch ihre Aggressivität wurde stärker. Es dauerte einige Monate bevor die Geldprobleme wieder in den Mittelpunkt rückten, die Agamemnon eher kalt ließen. Schliemann geriet immer wieder in ihre Auseinandersetzungen und versuchte zu beschwichtigen, doch erfolglos. Manchmal vergaß Klytai sich selbst und fuhr ihren Ehemann, sowie Schliemann, bösartig an, was Agamemnon nicht auf sich sitzen ließ und mit gleicher Stärke dagegen hielt. Dies alles ging nicht spurlos an Mahluna vorbei. Anders als in der Vergangenheit, bekam sie alle Streitereien mit und füllte ihr kleines Herz mit Trauer. Die arme kleine Mahluna. Das einstige Lächeln verschwand und ich sah kein Glück mehr in ihren Augen. Diese Veränderungen waren besorgniserregend und riefen auch Schliemann auf den Plan, der sich nun intensiver mit ihr beschäftigte. Sie spielte nicht mehr und wurde immer ruhiger. Sie saß die meiste Zeit in ihrem Zimmer und starrte gegen die Wand. Hinter verschlossener Tür versuchte Schliemann zu der sechs jährigen vorzudringen, aber ihr abnormales Verhalten änderte sich nicht. War dies ihre Art mit dem Verschwinden ihres Bruder umzugehen oder ist es den Streitereien der Eltern zuzuschreiben.

Ich erinnere mich an folgende Situation. Die kleine Mahluna saß auf dem Boden und starrte wieder gegen die leere weiße Wand. Ich saß ihr gegenüber und sah in ihre gedankenversunkenen Augen. Ihr Blick ging geradewegs an mir vorbei, was mich nicht überraschte. Ich war mir unsicher was ich zu ihr sagen könnte und so schwiegen wir uns an. Doch mit einem Mal blickte sie mich an und schaute mir tief in die Augen, als wolle sie etwas zu mir sagen, was völlig unmöglich war. Sie stand wortlos auf und rannte aus dem Zimmer hinaus, die Treppe runter, die Küche rein. Wie ein Blitz folgte ich ihr und erreichte die Küche. Agamemnon, Klytai und Schliemann saßen beisammen und starrten zu Mahluna als ich hörte wie sie sagte,

„Ich habe von Hyperion geträumt“

Klytai hielt sich die Hand vor dem Mund, um nicht zu schluchzen und Schliemanns Gesicht entgleiste komplett. Agamemnon war völlig gefasst, er stand auf, kniete sich zu ihr nieder und fragte sie, wo sie ihren Bruder gesehen hat. Sie sagte wortwörtlich,

„In meinem Traum, er folgte dem Meer, er ist auf dem Weg sagte er mir, er geht zur Stadt Tiru, zum Berg Anna, er kommt nicht mehr zurück, sagte er mir“

Klytai stand auf und verließ die Küche, während Schliemanns Starre sich weiter verfestigte. Auch Agamemnon war sprachlos und mir kamen die Tränen, als mir bewusst wurde was geschehen ist. Der Vater umarmte seine Tochter und Mahluna brach in Tränen aus, nichtwissend was ihr widerfahren ist.

Drittes Kapitel

Was ist das Glück?!

Agamemnon vertraute seine Tochter, Schliemann an und er zog sich den größten Teil des Tages mit ihr zurück. Die Gedanken dieses unschuldigen Mädchens dürften einem Wald, nach einem Sturm gleichen. Die Bäume an Gedankengebilde, die all die Jahre behütet ranwuchsen, sind nun auseinander gerissen. Äste liegen verteilt auf dem Boden und Mahluna begutachtet ihren ersten inneren Sturm. Es ist die Prüfung der kleinen Mahluna. Ihre Träume mehren sich und sie wird geplagt von ihnen, kann sie nicht verstehen und weiss nicht mit ihnen umzugehen. Diese Plage wurde irgendwann zu einer Zuflucht und sie versteckte sich in ihre Traumwelten, um sich vor all den Gefahren abzuschotten, für sich sicher zu sein. Im Beisein von Schliemann, starrte sie stundenlang die Wand an und dies weckte sein Interesse. In etlichen Therapiestunden sprach er mit Mahluna über ihre Erlebnisse im Traum und schrieb in jeder Sitzung alle Gesprächdetails genau auf. Agamemnon versuchte so gut es geht seiner Arbeit nach zu kommen, doch der Verlust seines Sohnes und die ständigen Auseinandersetzungen mit Klytai setzten ihm zu und bald kam der Tag an dem Klytais Wut eine neue Dimension erreichte. Sie verurteilte ihren Mann als Mörder und beschimpfte ihn, im Zusammenhang mit seiner Arbeit, wo es nur ging. Finanziell ging es ihnen immer schlechter und der Druck auf Agamemnon wuchs. So beschloss er eines Tages den Schlachthof zu schließen, was das finanzielle Aus der Familie Fengari bedeutete. Voller Trauer sah ich zu, wie die einst glückliche Familie auseinander brach. Diese Erinnerungen füllten mich mit Schmerz und ließen mich eine, in mir unbekannte Hilflosigkeit aufleben. Wenn ich jetzt darüber nachdenke was ich hätte anders machen können, fällt mir nichts dazu ein und dies macht mich noch trauriger.

Eines anderen Tages, als Agamemnon und Schliemann abwesend waren, sah ich wie Klytai kleine Löcher in die Erde grub. Sie grub ungefähr, sieben Stück an der Zahl, in den Vorgarten um den Baum herum. Klytai war gerade dabei ein etwas größeres Loch, vor dem Baum auszuheben, als die kleine Mahluna raus kam und ihre Mutter beim schaufeln beobachtete. Klytai bemerkte wie ihre Tochter näher kam, legte die Schaufel beiseite und ging auf sie zu. Sie kniete sich vor ihr hin und streichelte ihr durch das braune Haar. Mahluna fragte was sie da macht und Klytai antwortete ihr. Ich erinnere mich noch ganz genau an ihre Worte.

Alle Geschöpfe haben es verdient respektiert zu werden. Wenn jemand stirbt dann ist es Brauch denjenigen zu bestatten, insbesondere für die Geschöpfe die wir lieben. Indem wir den Körper in die Erde legen, übergeben wir ihn zu Gott. Aus der Erde sind wir genommen worden, zu Erde sollen wir wieder werden. Das Geschöpf kehrt nun zu seinem Schöpfer zurück. Hier auf dem Hof sind viele schlimme Sachen passiert und ich möchte dies wieder gut machen.“

Sie lächelte die kleine Mahluna an. Dies war ihre vernünftige Seite, wenn der Dämon in ihr schlummerte. Wenige Stunden später kamen Agamemnon und Schliemann zurück. Sie öffneten die Haustür und wurden kreidebleich. Langsam schritt Agamemnon in das Haus, tastete sich vor und trat in eine Pfütze. Blut. Er sah sich um und blickte auf die mit Blut verschmierten Wände und eine Blutspur auf dem Boden, die sich scheinbar durch das ganze Haus zog. Schliemann, der ebenfalls kein Wort über die Lippen brachte, folgte einem leisen Wimmern dass aus dem Wohnzimmer kam. Die Beiden saßen in der Ecke des Raumes, blutverschmiert. Klytai hielt einen Ziegenkopf in ihrer Hand und starrte ihm ins Gesicht. Sie weinte und schluchzte, Mahluna saß direkt vor ihr und sah zu ihr hinauf. Ihr Kopf war voller Blut und es tropfte von ihren Haaren hinunter. Die Quelle des ganzen Blutes schien der metallene Auffangeimer aus dem Schlachthaus zu sein. Er lag in der Mitte des Raumes und das Blut floß aus ihm langsam heraus und bildete eine große Pfütze. Mörder, schrie sie Agamemnon zu als sie ihn bemerkte und sowie er die Situation begreifen konnte, ging er auf Mahluna zu, hob sie hoch und erkundigte sich erst nach ihrem Wohlergehen. Ihr schien es gut zu gehen und er gab sie an Schliemann weiter. Er wischte ihr das Blut aus dem Gesicht und brachte sie sofort in den Waschraum. Auf dem Weg bemerkte er dass das Kind hier nicht bleiben kann und Agamemnon widmete sich nun Klytai zu. Er kniete sich zu ihr runter und flüsterte ihr, entschuldigung, ins Ohr. Fassungslos stand ich ihnen gegenüber und vernahm Agamemnons Wort lautstark. Er küsste sie auf die Wange und Klytai erschrak. Das war es also.

Wenn ich das Glück beschreiben müsste, dann würde ich an einen endlos langen Strand denken. Das Rauschen des Meeres, singt mich in den Schlaf. Ich kann endlos lange spazieren, über die Welt und mein Leben nachdenken, mich in meinen Gedanken verlieren aber sicher auf dem Boden stehen. Ich würde den Seevögeln meine Geschichte erzählen und mich im Meereswasser, dem Leben hingeben. Die Sterne wären mein Dach, der Himmel mein Tor und der Mond meine Existenz. Das Glück verläuft endlos auf dessen Weg der Sonnenaufgang steht. Ein nie endender Mond erweitert die Grenzen meines Handelns, auf der Basis unendlich vieler Möglichkeiten. Das ist Freiheit für mich. Es ist Glück in seiner reinsten Form, ein endlos langer Strand.

Wie gern hätte ich das zu Klytai gesagt, doch der Traum ließ mich nicht und setzte meiner Wahrnehmung Barrieren. Er setzte meine Erinnerung voraus, um das Geschehene deuten zu können und all der Schmerz den ich damals erlebt habe, als Klytais Geist brach, kam zurück. Ich sitze im Wohnzimmer und schau Klytai dabei zu wie sie schreit und weint. Ihre Seele offenbart sich mir und schlägt gegen Fenster und Wände. Die Seele schreit und klagt und richtet ihre Arme auf, um mir ihre Fesseln zu zeigen. Die Seele wirft sich vor mir nieder, erkennt mich und bittet um Vergebung für ihre Erlösung. Sie sieht zu mir auf bevor sie verschwindet und Klytai wieder zur Trauer zwingt und ich fange an zu verstehen, wer ich eigentlich bin.

Viertes Kapitel

Bitte tue es nicht, ich liebe dich doch

Es ließ nicht lange auf sich warten dass Schliemann eine Einweisung für Klytai beantragte und am nächsten Tag würden sie sie schon abholen. Es war der Tag vor dem Tag dass Agamemnon seine Frau erneut schlug. Sie hatten sie gefesselt, damit sie keinen Schaden mehr anrichten konnte und vor allem, um Mahluna zu schützen. Wie gewöhnlich hielten sie sich in der Küche auf und Schliemann kam gerade von einer Sitzung mit Mahluna zurück und da schrie Klytai plötzlich auf und ich erinnere mich daran das Wort, Mörder, gehört zu haben. Es war nichts neues dass sie Agamemnon für seine Tätigkeit im Schlachthaus als Mörder betiltete, doch sie fügte ihrem Geschrei noch etwas hinzu, ein Vorwurf den ich mir sehr zu Herzen nahm und mich erschütterte. Sie behauptete das Agamemnon seinen Sohn Hyperion getötet haben soll und dass sie ihm dies nie verzeihen würde. Das Unaussprechliche wurde nun ausgesprochen und erzürnte Agamemnon, der auf Klytai zu lief. Schliemann machte keine Anstalten dies zu verhindern und während Agamemnon ausholte, schaute ich weg und hörte das Klatschen. Er hatte ihr ins Gesicht geschlagen und die zuvor kniende Klytai kippte um. Sie stand nicht mehr auf und Schliemann schien nun doch besorgt und begutachtete das nun blutende Gesicht. Ein wenig fassungslos sah Agamemnon nun was er getan hatte und ich wäre am liebsten weggelaufen, doch Mahluna kam in dem Moment ins Zimmer und ich erinnerete mich daran was nun geschehen würde. Sie trug eine schwarze, dunkelrote Rose mit sich in der Hand, gepflückt in einem Traum und fast emotionslos legte sie die Rose zu Klytai und flüsterte ihr ein Worte ins Ohr, Worte die mir der Traum nicht offenbarte, doch die Erinnerung zurück holte. Agamemnon zog Mahluna zu sich und ich wünschte, ich hätte lebewohl sagen können, um mich für ihre Liebe zu bedanken. Denn Liebe war sie wert.

Ich erinnere mich an eine sehr kalte Nacht und so wie es für die Jahreszeit üblich war, regnete es in Strömen. Ich schlief und war gleichzeitig wach. Mein kleiner Körper war zugedeckt unter mehreren Bettdecken. Ich stand im strömenden Regen auf der Straße, spürte ihn aber nicht und meine Haut empfand Wärme.

Ein Gepflecht aus Erinnerung und Traum dass ich nur als surreales Erlebnis beschreiben kann. Ich lag im Bett und schritt auf das Haus zu. Die Mauer schnitt einen großen Teil der Sicht ab, nur die Baumspitze und die obere Hälfte des Hauses waren zu sehen. So schritt ich durch die Mauer, der Traum leitete mich, ich sollte warten. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und ich blickte auf das halb, ausgehobene Loch, welches ein Vorbote der nächsten Ereignisse war. Ich erinnere mich genau an den Schrei des Dämonen, der mich aus dem Schlaf riss und nun wurde ich mit den Umständen konfrontiert. Ich wurde nicht gefragt und mein freier Wille entpuppte sich als Illusion, dann ging die Tür auf. Klytai kam heraus. Ihre Trauer, die aus ihrem Gesicht wuchs und im Herzen wurzelte, berührte mich und fesselte mich. Doch warum? Worüber trauert sie gerade? War es Trauer über verpasste Chancen? Verrannte sie sich in einen Wald aus Wut und Verzweiflung?

Warum schrie sie nach Hilfe? Sie trauerte und verlor einige Tränen, es war ein unumkehrbarer Beschluss für sie. Das Messer und das Seil legte sie zum Boden, nahe des Baumes, den sie dann betrachtete. Sie schien sich an etwas zu erinnern und als wolle sie dies mit mir teilen, kam die Erinnerung auch in mir hoch. An einem Sommertag saß sie mit mir hier und erklärte mir das Leben. Wie Prachtvoll und voller Wert es ist. Welche Chancen uns erwarten und dass mit jedem Tag uns eine neue Chance geschenkt wird. Ich fing an zu weinen und wollte zu ihr rüber stürmen, doch er ließ mich nicht. Sie wollte Leben, doch etwas in ihr manipulierte sie und befolgte das Schicksal. Ein unfaires geschriebenes Buch dass uns den befreien Willen nur vortäuscht, um eine zukünftige Tatsache vollstrecken zu können. Unbarmherzig bestimmt es die Geschicke der Welt und jedes einzelnen Wesens. So nun auch von Klytai. Trauerte sie darüber? War sie sich im Klaren, nicht Herr über ihre Sinne zu sein. Ich schluchzte und weinte und wollte weg sehen und in dem Moment als sie zum Seil griff und es über einen Ast des Baumes warf, schluchzte ich, „Mama„.

Die Situation überwältigte mich wie nichts zuvor und ich sah mich dem nicht gewachsen. Warum wurde mir dies alles gezeigt, was sollte ich ändern können? Ein kurzer starker Wind kam auf, ich senkte den Blick zu meinen Händen. Ich sah den Regen von meinen Händen abperlen. Das Wasser lief an der Seite meiner Hand herunter, nur eine kleine Pfütze sammelte sich auf meiner Handfläche. War es das? Sie platzierte den metallenen Eimer unter dem Ast und mit beiden Enden des Seils, kletterte sie nun auf den Baum und befestigte das eine Ende an den Ast und das andere Ende an ihrem linken Knöchel.

Mama ich habe dich geliebt, ich habe deine Nähe genossen und jede einzelne Sekunde die wir zusammen verbracht haben. Mama ich verstehe nicht warum du das getan hast, ich wollte dich doch nur bei mir haben. Mama.

Sie ließ sich, festgebunden am Seil, herunter und zückte das Messer. Ich wollte fallen, doch ich stand, ich wollte mich bewegen, nur eine einzige Bewegung machen, ich wollte sie aufhalten und beschützen, ich wollte dass sie mich bemerkt und mich liebt. Sie blickte zu mir, bevor sie einen letzten, fürchterlichen Schrei von sich gab. Ein Hilferuf der keiner sein sollte. Sie gab sich keine Chance und der Schrei ging durchs Haus, zu Papa, zu mir und erfüllte den Hof mit Schmerz.

Eine letzte Sekunde sah ich sie, sie war schön und stark und doch wollte ich es nicht begreifen. Als mein Vater die Tür zum Vorgarten aufriss, sah er wie das letzte bisschen Blut in den Eimer tropfte. Ein Anblick der ihn in die Knie zwang und Fassungslosigkeit bestimmte sein Gesicht, doch er weinte nicht und dies gab mir die Erklärung. Ich folgte wenige Minuten danach und stand hinter meinem schockierten Vater, der nicht mehr imstande war sich zu rühren. Ich sah keine Emotionen in meinem Gesicht, keine Trauer, keine Träne und mir schien als hätte ich vorher gewusst was passieren wird. Ich ging zu Mama und sah zu ihr hinauf und blickte dann zu mir selbst und sah wie ich weinend davor stand.

Ich konnte sie nicht verstehen, sie musste mehr wissen als ich und mit dem Gedanken dass sie einen Grund zum weinen hat, lief mir auch eine Träne über mein Gesicht. Papa kam zu mir und umarmte mich, doch ich stieß mich von ihm los und wandte mich dem Loch zu.

Ich griff die Schaufel und grub das Loch weiter. Papa kam näher und sah dass ich dabei war, ein Grab zu schaufeln. Der Regen erschwerte mir die Arbeit und meine kleinen Hände schafften nur einen kleinen Teil der Erde weg. Papa verstand was ich tat und er stellte den Eimer und das Messer zu Seite. Ich selbst konnte mich nun aus der Starre befreien und stieg zu mir in das Loch. Mama hing noch am Strick und der Wind wippte sie hin und her. An das Gesicht kann ich mich nicht mehr erinnern, zumal der Traum es auch verdunkelte. Wir fingen beide an das Grab weiter zu schaufeln. Doch Papa sah mich an und fragte nach dem Sinn und schickte mich fort. Ich sah zu mir hinunter, ich konnte den Regen nicht von den Tränen unterscheiden, doch sah ich den Unterschied zwischen der Unschuld und der Schuld. Die Unschuld sah hinauf und sprach

Mama hat es verdient respektiert zu werden. Ich liebe sie. Aus der Erde ist sie gekommen und zu Erde soll sie wieder werden. Mama soll weiter existieren. „

Ich hatte diese Worte schon fast wieder vergessen und sie erinnerten mich daran dass Mama immer bei mir war und es immer sein wird. Auch jetzt. Ich spürte keine Kälte, doch die Wärme durchdrang mich und ich fühlte mich voller Liebe und Geborgenheit. Es war Mama.

Nachdem wir mit dem Grab fertig waren, machte Papa sie vom Baum los.. Er ließ sie ins Grab und zusammen schaufelten wir die Erde wieder rein. Nach und nach verschwand Mama. Erst der Kopf, dann die Beine und Füße. Die Hände waren über den Bauch verschränkt und verschwanden als letztes. Das Grab war versiegelt und der Regen prasselte ununterbrochen auf uns nieder. Wir drei standen nun davor und beteten für sie. Ein Verlust den ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht realisierte. Ich sah hinauf zum Himmel und fragte, wie ich in diesen Traum kam, welche Kraft steckt dahinter die mich so quälte? Alles verschwand um mich herum und ich fiel in die Leere. Ein Fenster öffnete sich mir und zeigte, was in den darauffolgenden Tagen geschah.

Schliemann entdeckte das Grab und verständigte die Polizei. Sie führten Papa ab, da sie das Messer in seinem Besitz fanden. Schliemann nahm mich damals in seine Obhut, er brachte mich nach Deutschland und zog mich dort auf. Er erklärte mir später dass mein Vater meine Mutter umgebracht hat. Eine grauenvolle Vorstellung für ein Kind. Ich habe mich mein lebenlang verloren gefühlt. Nur meine Träume gaben mir halt und ließen mich nicht vergessen, wer ich war. In ihnen sah ich immer wieder meinen Bruder und ich war fest davon überzeugt, ihn eines Tages wieder zu sehen.

In der Gegenwart. 14 Jahre später

Mahluna saß aufrecht im Bett und blickte zu Kaitom und Marek. Sie sah die Beiden voller Demut an und versuchte ihre Trauer zu unterdrücken. Die Beiden schwiegen. Mahluna fuhr fort.

Dieser Traum zeigte mir eine andere Wirklichkeit, ob es die Wahrheit war kann ich nicht sagen. Doch diese Wirklichkeit offenbarte mir so vieles dass ich vorher nicht wusste und nun vermisse ich meine Eltern und meinen großen Bruder. Meine Mutter, die wohl keinen Ausweg sah, meinen Vater, dem ich weder recht noch unrecht zuschreiben kann und meinen Bruder, den ich suche. Ich habe gute Zeiten gesehen, aber auch die schlechten Zeiten mitgefühlt. Meine Gefühle ähneln einem Chaos und ich werde wahrscheinlich meine Zeit brauchen um darüber nachzudenken. Dennoch hat sich eine Sache für mich geändert. Wenn es eine Sache gibt die ich mir wünschen kann, wenn es dass wirklich geben würde, dann würde ich mir pures Glück wünschen.“

Ende

Nachwort

Auf der Suche nach den sieben Taten der Barmherzigkeit, bin ich in Griechenland auf eine besonders traurige Geschichte gestoßen und später begegnete ich einer der sieben Taten. Die Geschichte rund um Mahluna gehört zu meinem Roman, an dem ich gerade arbeite. Mahluna ist immer auf der Suche und erst später wird ihr bewusst wonach. Das Schicksal der Mutter ist eine Warnung, die ich hier nochmal verdeutlichen möchte. Suizid ist keine Lösung und kein Ausweg. Klytai hat mit ihrem inneren Dämonen gekämpft, der leider gesiegt hat. Sie hinterlässt traurige Menschen und das geschieht bei jedem Suizid. Ich möchte mit dieser Geschichte weder den Suizid erklären, darauf aufmerksam machen oder dazu anstiften. Das Leben ist kostbar.

Die Nummer der Telefonseelsorge: 0800/1110111

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