Eine Reise voller Wunder

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Wenn ich an ein Wunder denke, dann denke ich an etwas übernatürlichem. Etwas dass größer als wir Menschen oder unser Vorstellungsvermögen ist. Nicht nur für mich, sondern viele andere Menschen verbinden Wunder mit etwas göttlichem. Glaubt ihr an Wunder oder sind glückliche Ereignisse bloß eine Aneinanderreihung glücklicher Zufälle.
Ich erzähle euch anhand zweier Beispiele, wie ich meinen Wundern auf der Reise begegnet bin.

Das erste Wunder

Ich bin mit dem Fahrrad von Barcelona in den Iran gefahren und habe von wenig Geld gelebt. Das Schicksal wollte es dass ich an einem Montag, um sechs Uhr abends, auf einer Straße in Isfahan (Iran) saß und auf meinen Gastgeber gewartet habe, da er länger arbeiten musste. Aus einem mir unerfindlichen Grund, habe ich mich auf die Treppe eines Hauses gesetzt, um meinem Akku dabei zuzusehen wie er ums überleben kämpft und dann kam sie.

Es war Safouras erster freier Tag. Sie fühlte sich nicht gut und hatte geplant den Montagabend Zuhause zu verbringen. Doch auf das Drängen einer Freundin, entschloss sie sich, mit ihr einen Spaziergang zu machen und entgegen ihrer Gewohnheit, sind sie in die Stadt gefahren. Auf der Suche nach einer Toilette, sah sie einen jungen Mann, mit einem etwas auffälligen Cowboyhut auf der Treppe sitzen. Mich. Motiviert, ihre Englisch Kenntnisse zu verbessern, ging sie auf mich zu um das Gespräch mit mir zu suchen. Es folgten noch einige Treffen, wir teilten die selben Träume und Ziele und beschlossen als Pärchen die Welt zu bereisen.
Diese Art von Geschichte werden die Meisten wohl kennen und an dem Punkt, wenn die Geschichte persönliche Erfahrungen berührt, werden viele die raffinierten Züge des Schicksals nicht bezweifeln. Doch was geschieht danach? Glauben wir an einen Plan des Universums oder belassen wir es bei einem glücklichen Zufall, wie so vieles auch?

Während unserer Reise per Anhalter, hörte ich Safoura oftmals sagen, wir haben Glück gehabt. Nachdem es zum Ritual geworden ist, dies einmal die Woche zu sagen und mir die Worte Glück und Zufall die Ohren raushingen, habe ich mich auf die Suche nach einer Erklärung für mich gemacht. Wenn wir für eine Taube einen Weg aus Brotkummen streuen, können wir ganz sicher sein dass diese Taube der Spur folgen wird. Wird die Taube wissen dass die Spur für sie gelegt wurde, oder wird sie dies nur als einen Zufall abtun oder gar, nicht darüber nachdenken?

Der Aberglaube der Tauben

Ein Experiment dass mit Tauben durchgeführt wurde, wurde als Aberglaube der Tauben bekannt. In dem Experiment wurde eine Box mit zwei Räumen angefertigt. In dem einen Raum befand sich eine Schale mit Futter und in dem anderen Raum befand sich die Taube. Die Räume wurden durch eine Klapptür getrennt die sich alle 15 Sekunden öffnet und dann wieder schließt. Haben die Tauben bei der ersten Öffnung eine zufällige Bewegung gemacht, wie zum Beispiel mit den Flügeln geschlagen, so haben sie bei den nächsten Öffnungen auch mit den Flügeln geschlagen, in dem Glauben dass ihr Handeln Einfluss auf die Klapptür hat. In wie weit haben wir unser Leben selber im griff und an welchen Stellen ist uns unser Weg vorgegeben und wir folgen einfach unseren Brotkrumen?

Jeder Tag ist ein Wunder.

Das zweite Wunder

Die nächste Geschichte beginnt mit einer unglücklichen Situation, die sich auf dem Weg von Bangalore nach Pondicherry zugetragen hat. Wir waren auf dem Weg von der Westküste indiens, in den Osten. Der Weg von betrug 320 km. In Indien konnten wir uns nie ganz sicher sein, wieviele Kilometer wir am Tag zurücklegen. Dies führte dazu dass wir in Tiruvannamalai einen Zwischenstopp machen mussten. Der Gastgeber, den wir zuvor organisiert hatten, sagte uns bei der Ankunft ab und so standen wir ohne Unterkunft in der dunklen Stadt. Mit großer Mühe konnten wir uns eine Unterkunft beschaffen, die keinerlei Komfort besaß und mit umherlaufenden Ratten auch nicht sicher war. Da wir den Boden als Schlafplatz mit den Ratten teilten, hatten wir auch eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen ging es, schwer müde, weiter. Wir streckten unseren Daumen nach Pondicherry aus und nach zehn Minuten, stoppte ein Auto dass einige Minuten zuvor an uns vorbei gefahren ist. Ein evangelischer Priester und ein Geistlicher aus Dänemark waren die Insassen. Nachdem wir ihnen unsere Geschichte erzählt hatten, lud er uns dazu ein, seine Gäste zu sein und stellte uns Räumlichkeiten und Verpflegung zur Verfügung. Nach einer schrecklichen Nacht, wurden wir mit Barmherzigkeit entschädigt. Ist dies Glück oder ein Wunder?

Ich möchte mich nicht auf eine göttliche Fügung festlegen oder auf einen glücklichen Zufall beschränken. Die Auswahl an Gründen, warum uns all diese Sachen passiert sind, sind unzählbar und lassen sich doch auf einige wenige Ursachen zurückführen. Nach dem ihr die letzte Geschichte gelesen habt, werde ich niemanden von einem Wunder überzeugen, was auch gar nicht in meiner Absicht liegt. Aber stellt euch eine Aneinanderreihung dieser Geschichten, in wenigen Tagesabschnitten, vor. Ich glaube diese glücklichen Ereignisse sind Brotkrumen und ich habe gelernt ihnen zu folgen. Ich nehme jeden Brotkrumen auf, um den Plan zu folgen den das Universum für mich bereit hält. Ich weiß nicht was mein Ziel ist und auch nicht was mich am Ende meines Lebens erwartet, aber ich weiss warum ich reise. Ich bin auf der Spur meiner Wunder, weil ich weiß dass sie mich zu meinem Ziel führen. Sie weisen mir den Weg, zu dem was ich werden soll. Zu reisen ist meine Leidenschaft und die Welt bietet noch viele mir unbekannte Orte. Doch wenn mich jemand fragt, was ich mir für meine Zukunft wünsche, dann ist es anzukommen. Denn ankommen, ganz gleich was dies für jeden einzelnen bedeuten darf, ist doch der Sinn eines jeden Weges.

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